Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Kabbala

(2,433 words)

Author(s): Grözinger, Karl Erich
1. Begriff K. (hebr.; »Tradition«) ist seit dem 13. Jh. Terminus Technicus für die ab der Mitte des 12. Jh.s in Südwesteuropa (v. a. in Spanien) entstandenen esoterischen Theologien des Judentums. Die K. ist in erster Linie theologische Lehre – entsprechend die Selbstbezeichnungen der K., »Wahre Tora« oder »Verborgene Weisheit« – die in unterschiedlichem Maße auch Mystik ist [18]; [12]; [13]; [9]. Grözinger, Karl Erich 2. Formen 2.1. Grundlagen Die K. war in ihrer ca. 700 Jahre langen kreativen Phase (um 1200–um 1900) in mehrere Richtungen gespalten, je nach i…

Kabinett

(1,084 words)

Author(s): Babel, Rainer
1. Altes Reich Mit dem vom franz. cabinet abgeleiteten Wort K. wurde ursprünglich eine kleine und intime Räumlichkeit bezeichnet. Ab dem 17. Jh. wurde es im dt. Sprachraum anstelle von »Kammer« für das Arbeits- und Beratungsgemach des Herrschers und – in übertragenem Sinn – auch für den Apparat höchstinstanzlicher Machtausübung gebräuchlich. So definierte Zedlers Universal-Lexikon das »Cabinet« als das sanctuarium principis (»Allerheiligstes des Fürsten«), welches »Grosse Herren dazu bestimmt haben, wenn sie die geheimsten und wichtigsten Sachen nur mit…

Kabinettsjustiz

(889 words)

Author(s): Oestmann, Peter
K. bedeutet die landesherrliche Entscheidung einer Rechtssache oder sonstige Eingriffe des Landesherrn in die Rechtspflege, bezogen jeweils auf den Einzelfall ( Landesherrschaft). Der Begriff entstammt dem 18. Jh. und war seitdem lange negativ besetzt, kennzeichnete er doch einen Verstoß gegen die Gewaltenteilung und die Unabhängigkeit der Justiz. Diese nachträgliche Wertung wird dem frühnzl. Befund aber nur bedingt gerecht. Seit der Bildung der europ. Staatenwelt zählte die oberste Gerichtsbarkeit zu den wesentlichen Elementen von Herrschaft. Die Vereinigun…

Kabinettskrieg

(1,013 words)

Author(s): Rogg, Matthias
Als K. wird die dominante Form der europ. Kriegführung in der Phase vom Westfälischen Frieden (1648) bis zur Franz. Revolution (1789) bezeichnet, wobei der Begriff insbes. auf die politischen und militärischen Entscheidungsträger abzielt. Er impliziert, dass Kriegsentscheidungen im Kabinett getroffen oder gar darauf begrenzt geführt wurden. Anstelle des Terminus K. wird auch die Bezeichnung »gehegter Krieg« verwendet, der auf die rational-zurückhaltende Form der Kriegführung unter dem Einfluss der Au…

Kadettenanstalt

(1,102 words)

Author(s): Kloosterhuis, Jürgen
1. Begriff und Zweck K. (von franz. cadet, »jüngerer Sohn«) bildeten den Nachwuchs der Offizier-Korps frühnzl. Militär-Systeme aus, nachdem diese die Form »stehender Heere« angenommen hatten. Ziel war, ein kontinuierlich vorgehaltenes Führungspotential für die Regimenter mit besserer Schulbildung inklusive kriegerischer Propädeutik zu schaffen. Die schulische Seite dieser Zielsetzung wurzelte in den Ritterakademien, zu deren allgemein-adeligem Bildungskanon (Fremdsprachen, Reitkunst, Fechtkunst, Tanz) speziell militärischer Unterricht hinzutra…

Kaffee

(1,725 words)

Author(s): Menninger, Annerose
1. Definition und Herkunft Das Heiß-Getränk K. zählt zu den Genussmitteln, worunter man Substanzen subsumiert, die nicht der Ernährung dienen, sondern wegen ihres Wohlgeschmacks, ihrer stimulierenden oder ihrer euphorisierenden Wirkung konsumiert werden. Typisch für den K. ist seine geistig anregende sowie harntreibende und abführende Wirkung aufgrund des enthaltenen Koffeins. Hergestellt wird K. aus den gebrannten und gemahlenen Samen (K.-Bohnen), die die Früchte (K.-Kirschen) verschiedener Arten der t…

Kaffeehaus

(1,995 words)

Author(s): Rosenke, Stephan | Stahrenberg, Carolin
1. Begriff und Ursprung Ein K. ist eine Gaststätte (Gasthaus), in der u. a. Kaffee ausgeschenkt wird; daneben sind auch andere Getränke wie Tee, Schokolade (Kakao) oder Spirituosen sowie kleinere Speisen im Angebot. Nach Jürgen Habermas waren K. neben Salons eine Keimzelle der »bürgerlichen Öffentlichkeit« [3. 90–93]. Seinen Ursprung hat das K. im Osmanischen Reich, wo sich im Laufe des 16. Jh.s Kaffee als Alltagsgetränk etablierte und auch in der Öffentlichkeit konsumiert wurde. Das erste K. in Istanbul wurde um 1550 unter Süleyman dem Prächtigen eröffnet. Das K. de…

Kaiser

(2,344 words)

Author(s): Pelizaeus, Ludolf | Mittag, Achim
1. Römischer Kaiser 1.1. Bezeichnung und Entwicklung Der röm. K. war das von den Kurfürsten auf Lebenszeit gemäß dem in der Goldenen Bulle (1356) festgelegten Mehrheitsprinzip gewählte Oberhaupt des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Bis 1806 entstammten alle K. (mit Ausnahme des Wittelsbachers Karl Albrecht VII., reg. 1742–1745) aus dem Haus Habsburg(-Lothringen). Der K. stand in der Tradition des antiken röm. K.tums und begründete damit den Anspruch auf zeremoniellen Vorrang vor allen anderen Monarchen [8]. Durch die enge Verbindung K. – Schutzherr der Chris…

Kaiserkanal

(786 words)

Author(s): Mittag, Achim
1. Europäische Wahrnehmung und Berichterstattung In der nzl. europ. Wahrnehmung und Berichterstattung über China rangierte unter den Bauwerken gleich hinter der Großen Mauer der K., der längste künstliche Wasserweg der Welt. Aufklärungshistoriker versicherten, dass der K. »alles das übertrifft, was man wundernswürdiges von dieser Art in Europa siehet« [1. 17]. Bereits Marco Polo berichtete von den breiten und tiefen, Flüsse und Seen verbindenden Kanälen, die selbst wie ein großer Fluss wirkten [4. 312]. Allerdings sind die Angaben zum K. in europ. Berichten meist nu…

Kakao

(1,774 words)

Author(s): Menninger, Annerose
1. Definition Unter K.- bzw. Schokoladeprodukten versteht man Trink- (mit heißem Wasser oder Milch verquirltes entfettetes K.-Pulver) und Essschokolade (etwa in Tafelform oder als Pralinen, bestehend aus K., K.-Butter/Pflanzenfett, Zucker und Milch). Basissubstanz sind die mandelförmigen Samen (K.-Bohnen) des tropischen K.-Baums ( Theobroma cacao L.). Sie werden den K.-Früchten entnommen, zur Reduzierung des bitteren Geschmacks fermentiert, dann getrocknet, geröstet, gebrochen, entschält und verarbeitet. Da K.-Bohnen sehr fetthaltig und damit kalorienreich …

Kalender

(5,371 words)

Author(s): Wolfgang Behringer | Désirée Schostak | Sina Rauschenbach | Alfred Messerli | Jörn Sieglerschmidt
1. Begriff Der Begriff K. leitet sich vom ersten Tag des Monats im alten Rom (lat. Kalendae) ab; über lat. calendarium (»Schuldbuch«) übertrug er sich später auf die Zeitrechnung insgesamt. Basis aller bekannten K. sind der Wechsel von Tag und Nacht, die sich wiederholenden Mondphasen (»Mond« = Monat) und der Lauf der Jahreszeiten im Sonnenjahr. 2. Zeitrechnung: Frühe Ausprägungen Astronomische Erscheinungen (Astronomie) bestimmen kulturübergreifend die Zeiteinheiten Jahr, Monat und Tag. Durch astronomische Beobachtung und Berechnungen, etwa der Tag- un…
Date: 2016-11-01

Kalenderreform

(1,456 words)

Author(s): Koller, Edith
1. Voraussetzungen Der christl. Kalender, eine Kombination aus solarer und lunarer Berechnung, vereint zwei Funktionen: Erstens dient er der Zeitrechnung auf astronomischer Grundlage ( Datumszählung), zweitens der religiösen Fest-Rechnung. Für die christl. Chronologie und die Komputistik (die Wissenschaft der Kalenderberechnung) war zur korrekten Berechnung der an Mond- und Sonnen-Lauf gebundenen kirchlichen Feiertage ein astronomisch möglichst genauer Kalender entscheidend. Der unter Iulius Caesar eingeführte Julianische (= Jul.) Kalender ging von einem …

Kamee

(10 words)

s. Gemmenkunde

Kameralismus

(3,276 words)

Author(s): Sokoll, Thomas
1. Begriffsgeschichte und Forschungstradition Unter K. versteht man zum einen die Wirtschaftspolitik und Verwaltung der Staatsfinanzen der dt. Territorialstaaten im Zeitalter des Absolutismus. In diesem Sinne gilt der K. als dt. Variante des Merkantilismus. Entsprechend schwierig ist die Abgrenzung zu Letzterem (als europ. Phänomen) wie auch zur allgemeinen Staats- und Verwaltungslehre des 17. und 18. Jh.s (als spezifisch dt. Angelegenheit; vgl. Polizeiwissenschaft) [8]; [18]. Zum andern werden K. und Merkantilismus auch als Epochenbegriffe für die Wirtsch…

Kameraljurisprudenz

(10 words)

s. Kameralprozess

Kameraljustiz

(10 words)

s. Kabinettsjustiz

Kameralprozess

(690 words)

Author(s): Oestmann, Peter
Unter K. versteht man das Gerichtsverfahren vor dem 1495 gegründeten Reichskammergericht. Es handelt sich um eine besondere Form des gemeinen ordentlichen Zivilprozesses, wie er in der ma. ital. Rechtswissenschaft v. a. im Speculum iudiciale (1271–1291; »Gerichtsspiegel«) von Guilelmus Durantis geprägt wurde. Anders als das gelehrte Recht hielt der K. jedoch an der im dt. MA üblichen Trennung von Richter und Urteiler fest. Bereits das Königliche Kammergericht des 15. Jh.s war stark vom röm.-kanonischen Prozess geprägt ( Rezeption des römisch-kanonischen Rechts). Die Kamm…

Kaminfeger

(1,204 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Herkunft und frühe Belege Der Beruf des K. (auch: Kaminkehrer; süddt. für ital. spazzacamino; altbayer. Kümich-/Künikehrer, östl. des Inns Rauchfangkehrer, norddt. Schlotfeger und Schornsteinfeger, mitteldt. bzw. sächs. auch Essenkehrer [3. 232 f.]) bildete sich erst im Laufe der Frühen Nz. heraus. Im Zuge der Verbreitung des Steinbaus und mehrstöckiger Häuser sowie des Heizens mit Steinkohle (wie v. a. in London) wurde die ältere Herdfeuerung ohne Rauchabzug zunächst in Italien durch die Ofenfeuerung mit Kamin bzw. Rauchfang abgelöst, wenngleich in ländlichen …

Kammergut

(12 words)

s. Domäne | Krondomäne

Kammerherr

(910 words)

Author(s): Pečar, Andreas
Das Amt des K. oder Kämmerers (lat. camerarius oder cubicularius) zählte seit dem FrühMA zu einem der wichtigsten Hofämter europ. Fürstenhöfe. Es lässt sich bereits bei den Westgoten und den Merowingern nachweisen und hat noch ältere Vorläufer im Hofstaat des oström. Kaiserhofes [8. 496 f.]. Ursprünglich lag in der Hand der K. die Zuständigkeit für die gesamte Haushalts-Führung des Fürsten. Diese verengte sich im Laufe des MA – auch wegen der zunehmenden Bedeutung des Obersthofmeisters – auf den Bereich der näheren Umgebung des Fürsten, auf die Aufsi…

Kammerjustiz

(10 words)

s. Kabinettsjustiz

Kammer, Kämmerer

(13 words)

s. Kammerherr

Kammermusik

(1,433 words)

Author(s): Mautner, Hendrikje
1. Allgemein Von ihrer ersten begrifflichen Erwähnung um die Mitte des 16. Jh.s bis zur Mitte des 19. Jh.s entwickelte sich die Anschauung der vokalen und instrumentalen K. von einer höfisch geprägten Musizier- und Aufführungsform zu einer autonomen Form der Instrumentalmusik mit herausragendem ästhetischen Anspruch. Mit dem Streichquartett der Wiener Klassik (Klassiken, europäische) prägte sie einen Besetzungstypus aus, der den höchsten Rang in der Hierarchie der musikalischen Gattungen einnahm. 2. Der Kontext höfischen Musizierens und frühes Repertoire Bereits im spä…

Kammmacher

(814 words)

Author(s): Reith, Reinhold
Kämme in verschiedenen Formen, Materialien und Ausstattungen sind seit der Antike überliefert. In der kirchlichen Liturgie wurden reich ausgestattete Konsekrationskämme bei der Bischofsweihe verwendet, von denen einige als Grabbeigaben erhalten sind [9]. Seit dem 14. Jh. sind v. a. profane Kämme überliefert [5. 33]. Kämme dienten – so Christoph Weigel 1698 in seinem Ständebuch – zur Zierde und Reinlichkeit; der Haarkamm stand aber auch als Metapher für die weibliche Prunksucht. Man benutzte sie zur Reinigung von Ungeziefer, und bes. der Läusekamm galt als Emblem der…

Kanal

(3,127 words)

Author(s): Schinkel, Eckhard
1. Begriff und Forschung K. ist eine unspezifische Bezeichnung für ein Leitungs- oder Übertragungssystem für Transport und Verkehr, Ver- und Entsorgung oder Kommunikation. Schifffahrts-K. sind künstliche, mit Methoden des Wasserbaus angelegte Wasserstraßen in oder zwischen Wirtschaftsräumen. Je nach Lage und Funktion unterscheidet man Zubringer-, Stich- und Werks-K., Verbindungs-K. (zwischen Flüssen oder zwei Meeren), Seiten-K. (parallel zu einem Fluss), Scheitel-K. (Führung über eine Wasserscheide hinweg), Mühlen-K. neben …

Kanalisation

(14 words)

s. Assanierung | Fäkalienbeseitigung | Stadthygiene

Kannibalismus

(1,338 words)

Author(s): Gareis, Iris
1. Begriff und Grundlagen Der Begriff K., 1492 bei seiner ersten Amerikareise von Kolumbus geprägt, ist das nzl. Pendant zum älteren Wort Anthropophagie (von griech. ánthrōpos, »Mensch«, und phageín, »essen«). Beide bezeichneten in der Nz. den Verzehr von Menschenfleisch. Man unterscheidet in der wiss. Literatur zwischen Endo- und Exo-K., wobei im ersten Fall Mitglieder der eigenen, im zweiten Fall Menschen anderer Gruppen verzehrt werden. Bei verbürgten Fällen von Endo-K. in rezenten indigenen Gesellschaften Südamerikas h…

Kanon

(2,204 words)

Author(s): Dücker, Burckhard | Walther, Gerrit
1. Begriff Der griech. Begriff kanṓn (ursprgl. »Maßstab« des Handwerkers, »Richtschnur«) besaß in der Antike diverse Bedeutungen, die alle eine generell gültige Norm ausdrückten. In der bildenden Kunst bezeichnete er etwa seit Polyklet (5. Jh. v. Chr.) die Proportionslehre des menschlichen Körpers, in der Musik seit den Pythagoreern (5. Jh. v. Chr.) ein zwölfgeteiltes Messinstrument zur Bestimmung der Intervalle, in der Erkenntnistheorie seit Demokrit (4. Jh. v. Chr.) den Sinn für das Wahre und die Fähigkeit zur Kritik, in der Rhetorik seit Cicero (1. Jh. v. Chr.) ein…

Kanone

(14 words)

s. Artillerie | Schießpulver | Waffentechnik

Kanonisches Recht

(15 words)

s. Kanonistik | Kirchenrecht

Kanonistik

(743 words)

Author(s): Duve, Thomas
K. (von griech. kanṓn, lat. canon, »Richtschnur«) ist die Wissenschaft vom Kanonischen Recht, d. h. dem Kirchenrecht. Die Anfänge der sog. klassischen K. werden mit dem Dekret Gratians (um 1140) angesetzt. In der Nz. wird der Terminus v. a. auf die Wissenschaft vom kath. Kirchenrecht angewandt; in den evangelischen Kirchen ist dagegen überwiegend von der Wissenschaft des Kirchenrechts die Rede. Nach dem Ende der sog. klassischen K. zur Mitte des 14. Jh.s und einem Züge von Konsolidierung wie Stagnation aufweisenden Zeitraum bis in das frühe 16. Jh. tra…

Kantate

(2,198 words)

Author(s): Waczkat, Andreas
1. Begriff und Gattung im frühen 17. Jahrhundert Der Begriff der K. (ital. cantata oder cantada, von lat./ital. cantare, »singen«) ist, im Gegensatz etwa zum Madrigal, poetologisch unspezifisch und erlaubt es daher kaum, valide Gattungskriterien anzuführen. Im frühen 17. Jh. erschien der Terminus K. in begrifflicher Analogie zu dem der Sonate und bezeichnete zunächst ital. Vokalkompositionen (Vokalmusik), deren gemeinsame musikalische Merkmale über einen Satz für ein bis drei solistische Singstimmen, die von einem Generalbass begleitet werden, nicht hinausgehen. Als ers…

Kantianismus

(992 words)

Author(s): Lehmann-Brauns, Sicco
1. Begriff K. ist die Sammelbezeichnung für eine in den beiden letzten Jahrzehnten des 18. Jh.s an Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft (1781/87) anknüpfende philosophische Richtung, die zur Popularisierung der kantischen Philosophie beitrug. Die Diskussionen des K. können als erster Reflex auf die in Kants Kritik der reinen Vernunft vollzogene Kopernikanische Wende in der Philosophie betrachtet werden. Diese bestand in der Behauptung, dass die Erscheinungswelt von den Konstitutionsleistungen des Subjekts abhängig sei. Kant hob damit den…

Kantonsystem

(898 words)

Author(s): Winter, Martin
K. ist die Bezeichnung für die Rekrutierungs-Weise der preuß. Armee, die ab den 1730er Jahren bis 1806 jedem Regiment einen exklusiven Ergänzungsbezirk (Kanton) im Inland zuwies. Nach Wegfall der Anwerbung von Söldnern im Ausland existierte das K. 1806–1813 als alleiniges Rekrutierungssystem in Preußen weiter; es wurde von der allgemeinen Wehrpflicht abgelöst. Der Begriff hielt sich im Verwaltungsgebrauch teilweise bis gegen Ende des 19. Jh.s. Das K. entwickelte sich ähnlich wie vergleichbare Rekrutierungssysteme in kleiner…

Kantorat

(1,390 words)

Author(s): Loeser, Martin
1. Definition und Entwicklung Unter K. wurde in der Nz. primär das Amt des Kantors (= Kt.) verstanden, wie es im Zuge der Reformation allmählich in den lutherischen Gebieten Deutschlands, teilweise auch im Baltikum, Skandinavien und der Slowakei, seine Ausprägung als Teilstruktur eines städtischen Gemeinwesens erfuhr. Eine verwandte kath. Amtsform gab es nicht. Zentrale Amtspflichten des Kt. bestanden in der Erteilung musikalischen und wissenschaftlichen Unterrichts an der örtlichen Lateinschule, wofür eigene akademische Studien eine wichtige Voraussetzung bil…

Kanzel

(10 words)

s. Kirchenausstattung

Kanzlei

(1,417 words)

Author(s): Menk, Gerhard
1. Definition und Entstehung Die K. stellte in der Nz. als ausführendes Organ des Willens eines Fürsten oder Stadtmagistrats (Rat) die oberste zentrale Institution für die Verwaltung eines Gemeinwesens dar und zugleich, bis zur Trennung von Verwaltung und Justiz im späten 18. Jh., die oberste Justizstelle. Der personelle Umfang einer K. war abhängig von der Größe des Territoriums. Zwischen dem Personalbestand von K. in großen spätma. und frühnzl. Nationalstaaten einerseits und der K. einer adligen Herrschaft andererseits lagen gan…

Kanzler

(16 words)

s. Justizminister | Kanzlei | Kurator | Reichshofkanzlei

Kapelle

(1,521 words)

Author(s): Wald, Melanie
1. Begriff Der Terminus K. sowie die davon abgeleiteten Amtsbezeichnungen » K.-Meister« und » Kaplan« entstammen dem christl. Westeuropa. Innerhalb einer tausendjährigen Begriffsgeschichte kam es zu mehreren signifikanten Bedeutungsverschiebungen, sodass K. je nach histor. und inhaltlichem Kontext sowohl einen architektonischen, einen geistlich-administrativen oder einen musikalischen Gegenstand bzw. Sachverhalt bezeichnen kann. Der Ursprung des Begriffs liegt in der bis ins 7. Jh. zurückzuverfolgenden lat. Bezeichnung capella für den am fränk. Königshof au…

Kaperwesen

(12 words)

s. Freibeuter | Piraterie

Kapital

(14 words)

s. Kapitalbildung | Kapitalmarkt | Kapitalmobilität

Kapitalbildung

(1,329 words)

Author(s): Köster, Roman
1. Begriff Die Volkswirtschaftslehre versteht unter K. die Erhöhung des Kapitalstocks einer Volkswirtschaft durch Neuinvestitionen [10. 9], etwa in Produktionsmittel (d. h. Maschinen, Werkzeuge oder Gebäude) sowie in den Lageraufbau. Diese können entweder durch Ersparnisse, d. h. vorausgegangenen Konsumverzicht, oder durch Kredite finanziert werden. In der histor. Forschung wurde v. a. die Rolle der K. für die Industrialisierung diskutiert (s. u. 3.). Dabei spielten zwei Gesichtspunkte eine zentrale Rolle: (1) die Bedeutung der K. für die Startph…

Kapitalismus

(2,851 words)

Author(s): Plumpe, Werner
1. Begriffsgeschichte Der Begriff K. ist vergleichsweise jung [6]; [11]. Er taucht im Gegensatz zu »Kapital« und »Kapitalist«, die sich in der Handels- und Kaufmannssprache z. T. bereits im späten MA nachweisen lassen, erstmals im Französischen in der Mitte des 19. Jh.s auf – hier bereits in kritischer Absicht. Seit den 1870er Jahren wurde er in Deutschland im Rahmen der Gründerkrise und der sich anschließenden »Großen Depression« als Negativbeschreibung der gesellschaftlichen Verhältnisse populär, die sich konzeptionell an die Arbeiten von Karl Marx ( Manifest der Kommunist…

Kapitalmarkt

(924 words)

Author(s): North, Michael
1. Begriff Allgemein versteht man unter K. den Markt für langfristig verbriefte Forderungen (Kapitalien), während der Geldmarkt der Markt für kurzfristige Gelder ist. In der Geschichte sind beide jedoch nur selten genau voneinander abzugrenzen; daher hat sich als gemeinsamer Oberbegriff die Bezeichnung » Finanzmarkt« herausgebildet. Während der Kreditbedarf des Handels auf dem Geldmarkt mit Hilfe des Wechsels bzw. des Wechselindossaments (Indossament) und der Diskontierung (Diskont) kurzfristig (Fälligkeit bis drei Monate) gedeckt wurde, e…

Kapitalmobilität

(1,080 words)

Author(s): North, Michael
1. Begriff K. bezeichnet Bewegungen von Geldkapital (Portfolioinvestitionen, Kredite; s. u. 2.–3.) und Produktionskapital (Direktinvestitionen; s. u. 4.). Da vor der zweiten Hälfte des 19. Jh.s keine Volkswirtschaften mit zentraler monetärer Steuerung existierten (Notenbank), bezieht sich der Begriff K. in der Nz. nicht auf Kapitalexporte bzw. -importe ganzer Volkswirtschaften, sondern auf Kapitaltransfers zwischen räumlich auseinanderliegenden Wirtschaftsstandorten, insbes. zwischen verschiedenen Finanz- und Handelszentren. 2. Handel K. war im MA und in …

Kapitulation

(768 words)

Author(s): Hohrath, Daniel
1. Begriff Der Begriff der K. stand in der Nz. generell für einen Vertrag, der eine gegenseitige Verpflichtung beinhaltete und in dem der eine Vertragspartner dem anderen gegenüber gewisse Verpflichtungen einging bzw. ihm Zugeständnisse machte. Auf verfassungsrechtlicher Ebene ist hier die Wahlkapitulation zu nennen, durch die z. B. der zu wählende röm. Kaiser die besonderen Rechte der Kurfürsten und der anderen Reichsstände anerkannte. Als K. wurde auch die Regelung des Rechtsverhältnisses der Untertanen eines europ. Staates in Staa…

Kapkolonie

(2,444 words)

Author(s): Marx, Christoph
1. Begriff Die Kolonie am Kap der Guten Hoffnung existierte von 1652 bis 1910; bis 1795 bzw. 1806 als niederl., danach als brit. Kolonie ( Kolonialreich). Während des 17. und 18. Jh.s dehnte sie sich von der Tafelbucht und Kapstadt nach Norden (Oranjefluss) und Osten (Fischfluss) aus, wurde im 19. Jh. durch Annexionen in beide Richtungen erweitert und 1910 unter dem Namen Kapprovinz größte Provinz der neugegründeten Union (seit 1961 Republik) von Südafrika. 2. Forschungsgeschichte Die Geschichte der K. wird erst seit den 1970er Jahren wiss. breit verarbeitet, wobei e…

Karäer

(855 words)

Author(s): Riemer, Nathanael
1. Begriff und Entwicklung im Mittelalter Bereits der Name der Splittergruppe »Karaim«, welche sich zu Beginn des 8. Jh.s aus dem babylonisch-pers. Judentum zu entwickeln begann, verweist auf wesentliche Differenzen zur Mutterreligion: Als Ba'ale ha-Mikra (»Leute der Schrift«) akzeptieren sie nur die Hebr. Bibel als Schriftliche Tora und lehnen damit die Mündliche Tora ( Halacha, Jüdisches Recht) des rabbinischen Judentums ab, verwenden jedoch dessen Hermeneutik. Im Vergleich zum Judentum ist die karäische Halacha, Sevel ha-Jeruscha (»Erblast«) genannt, einerseits un…
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