Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Rechtslexika

(10 words)

s. Rechtsliteratur

Rechtsliteratur

(2,132 words)

Author(s): Schäfer, Frank L.
1. Begriff und Verbreitung Die R. ist Teil der Fach- und Gebrauchsliteratur. Sie richtet sich an die Rechtspraxis, an die Rechtswissenschaft und an die Studenten dieser Wissenschaft. Die auf die Rechtspraxis zielende R. hat die Lösung konkreter Rechtsfälle, die an Wissenschaft und Ausbildung gerichtete R. hat die Meinungsbildung bzw. die Wissensvermittlung zum Inhalt. Die histor. Verbreitung von R. hing eng mit dem Wandel der Buch-Produktion zusammen. Die Einführung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um die Mitte des 15. Jh.s machte die ehem…

Rechtsmethodologie

(10 words)

s. Rechtsliteratur

Rechtsmittel

(2,440 words)

Author(s): Otto, Martin
1. Begriff Ein R. (lat. remedium iuris, remedium contra sententias; engl. legal remedy; franz. voie de recours) ermöglicht es einer Partei im Gerichts-Verfahren, die Entscheidung anzufechten; wird ein R. eingelegt, finden erneute Prüfung und Entscheidung in höherer Instanz statt. Im weiteren Sprachgebrauch bis 1850 bezeichneten R. alle Mittel zur Wahrung oder Geltendmachung von Rechten, also Klagen, Einreden, Beschwerden, Gesuche und Wiedereinsetzungen in den vorigen Stand. In der Regel, aber nicht zwingend, wurden R. bei einem Gericht eingelegt. Otto, Martin 2. Arten 2.1. H…

Rechtsphilosophie und Naturrecht

(9,499 words)

Author(s): Klippel, Diethelm
1. Einführung 1.1. Begriffe Unter R. (lat. philosophia iuris; franz. philosophie du droit; engl. philosophy of law) versteht man heute eine Teildisziplin der Rechtswissenschaft und der Philosophie, die sich mit philosophischen (= philos.) Grundfragen von Recht und Staat beschäftigt und darüber hinaus auch bestimmte Rechtsprobleme aus philos. Perspektive untersucht. N. (lat. ius naturae bzw. naturale; franz. droit de la nature; engl. natural law, law of nature) bezeichnet einen Komplex rechtlicher Normen, deren Geltung man unabhängig vom positiven, insbes. sta…

Rechtspositivismus

(1,074 words)

Author(s): Zwanzger, Michael
1. Begriff Der Begriff des R. bezeichnet eine rechtsphilosophische bzw. -theoretische Strömung, die Begriff und Geltungsgrund des Rechts allein aus dessen autoritativer Inkraftsetzung ableitet. Dieser formale Rechtsbegriff ist durch seine inhaltliche Neutralität gekennzeichnet: Für die Rechtsqualität und Gültigkeit einer Rechtsnorm kommt es nur darauf an, dass sie im Einklang mit festgelegten Normsetzungsregeln erzeugt wurde; unerheblich ist dagegen, ob sie inhaltlich im Einklang mit bestimmten Werten, Moralvorstellungen oder mit Normen steht,…

Rechtsschulen, islamische

(14 words)

s. Sunna, Sunniten

Rechtssicherheit

(1,152 words)

Author(s): Eisfeld, Jens
1. Begriff Unter R. (engl. legal certainty, rule of law; franz. sécurité juridique) versteht man heute den Verfassungsgrundsatz der Verlässlichkeit der Rechtsordnung und damit ein wesentliches Element des übergeordneten Rechtsstaatsprinzips; dieser Grundsatz hat sich in vielen europ. Staaten durchgesetzt [13. 543–636] [5. 543–636]. Daneben wurde und wird R. ganz allgemein als Argument in der Gesetzgebung und als Auslegungsgesichtspunkt in Rechtsanwendung und Rechtswissenschaft gebraucht. Als verfassungsrechtlich geschützte Bestandteile der R. sind gegen…

Rechtsstaat

(1,529 words)

Author(s): Pállinger, Zoltán Tibor
1. Grundlagen Wiewohl der Begriff des R. eine Schöpfung der dt. Staatsrechts-Lehre darstellt, finden sich in allen westl., freiheitlich demokratischen Verfassungen ähnliche Konzepte, die staatliche Herrschafts-Ausübung an das Gesetz binden. Von Platons Nomokratie bis zum US-amerikan. government of law and not of men (›Herrschaft des Gesetzes und nicht der Menschen‹; Supreme Court, Marbury v. Madison 1803 [1]) stand die Idee Pate, dass das Recht seine eigene Berechenbarkeit garantieren, die Willkür beschränken und in gewissem Umfang auch eine Gleichbehandl…

Rechtsvereinheitlichung

(10 words)

s. Rechtseinheit

Rechtsvergleichung

(879 words)

Author(s): Mohnhaupt, Heinz
1. Begriff und Aufgaben R. wird als ein Erkenntnismittel zur Erfassung und Gestaltung unterschiedlicher nationaler und internationaler Rechtsordnungen (Makrovergleich) oder einzelner Rechtsinstitute (Mikrovergleich) eingesetzt. Wissenschaftsgeschichtlich zeigen die zahlreichen Versuche einer Definition der R. [8. 106–111] unterschiedliche Auffassungen über ihre Ziele und Methoden. Das betrifft auch die Frage, ob die R. als eine eigenständige Disziplin [8. 19; 111]; [10. 87]; [9. 58] oder als Methode der Rechtswissenschaft anzusehen ist [9. 13; 61]. Eine gesicherte …

Rechtswissenschaft

(5,759 words)

Author(s): Luig, Klaus
1. Begriff Die R. beschäftigt sich mit der in aller Regel schriftlichen Bearbeitung, Darstellung, Aufzeichnung, Erläuterung und Kommentierung des geltenden Rechts, das seinerseits auf dem Gesetz beruht oder durch die Rechtsprechung als sog. Richterrecht entwickelt worden ist. Gegenstand der R. ist somit das Recht im objektiven Sinne einschließlich seiner histor. Grundlagen. Die R. ist in erster Linie Rechtserkenntnisquelle, trägt aber auch durch Rechtsfortbildung zur Rechtsentstehung bei. Als Geisteswissenschaft erh…

Recht und Moral

(903 words)

Author(s): Habermeyer, Helen | Klippel, Diethelm
Das R. formuliert ebenso wie die M. kulturelle Verhaltensnormen. Die Unterscheidung bzw. Abgrenzung beider Bereiche ist daher ein Grundproblem juristischen und philosophischen Denkens. Meist wird die Auffassung vertreten, vorstaatliche Gesellschaften hätten rechtliche, moralische und relig. Normen noch nicht voneinander getrennt; dies sei erst unter dem Einfluss der Aufklärung geschehen [9. 2 f.]. Obwohl die Frage der Abgrenzung zwischen Natur-R., M. und staatlichem R. bereits im MA (u. a. bei Thomas von Aquin) eine Rolle spielte, gewann sie in der Nz. neue u…

Recht und Verfassung

(2,579 words)

Author(s): Klippel, Diethelm
1. Konzeptionelle Grundlagen Die Auswahl der elf Schlüsselartikel und der weiteren Lemmata des Fachgebietes »Recht und Verfassung« erfolgte unter zwei leitenden Gesichtspunkten. Erstens wurden die drei großen Teilbereiche des Rechts berücksichtigt, nämlich Öffentliches Recht (und darunter – wegen ihrer herausgehobenen nzl. Bedeutung mit eigenen Schlüsselartikeln bedacht – Verfassung und Menschenrechte), Privatrecht und Strafrecht. Damit wurden zwar wesentliche Gegenstände und Institutionen der Rechts- und Verfassungs…

Reconquista

(12 words)

s. Glaubensflüchtlinge | Konquista

Recycling

(10 words)

s. Wiederverwertung

Redaktion

(82 words)

Mitglieder der Verlagsredaktion Dr. Brigitte Egger (Redaktionsleitung) Petra Enderle M.A. Florian Freitag M.A. Florian Hoppe Dipl.-Germ. Matthias Knopik M.A. Susanne Mall M.A. Mirjam Neusius M.A. Simone Schäfer M.A. Thomas Stichler M.A. Unter Mitarbeit von Ruth Becker M.A. Kai Fabian Fürstenberg M.A. Franz Hackenberg M.A. Janina Hecht M.A. Nora Heinzelmann M.A. Patrizia Herdtle Claus R. Kullak M.A. Matthias Noller M.A. Natalia Pfau M.A. Torben Quasdorf Dipl.-Germ Sigrid Roßkopf M.A. Johannes Wespel M.A. Torsten Wiegand M.A. Melanie Wohlfahrt M.A. Sebastian Zimmermann M.A.

Redaktion der Ergänzungen (ab 2017)

(13 words)

Dr. Matthias Noller Pia Preu B. A.
Date: 2016-12-13

Reduktion

(12 words)

s. Indianer | Reservat

Reederei

(886 words)

Author(s): Ellmers, Detlev
Eine R. ist ein Wirtschaftsunternehmen, das Geld in Schiffe investiert ( Kapitalbildung), um durch Verfrachtung von Gütern und/oder Personen einen Gewinn zu erzielen, der durch Eigenhandel größer ausfällt als durch bloße Frachtgebühren. Längere Fahrten erhöhen die Gewinnchancen, aber auch die Aufwendungen für Schiff, Ausrüstung, Besatzung und Handelsorganisation sowie das Risiko eines Verlusts durch Schiffbruch, Kaperung, Piraterie, Krankheit u. v. m.; sie steigern also den Kapitalbedarf und bedingen unt…

Reepschläger

(10 words)

s. Seiler

Referendariat

(1,298 words)

Author(s): Gerber, Stefan
1. Referendar Wie der Ursprung des Begriffs (lat. referre, ›zurücktragen‹, ›berichten‹) nahelegt, bezeichnete Referendar von der röm. Kaiserzeit bis ins 18. Jh. Verwaltungs-Beamte, die Vorgesetzten, übergeordneten Behörden oder dem Monarchen zur Entscheidung anstehende Vorgänge vortrugen und erläuterten, Funktionen des Kanzlers oder Notars wahrnahmen und eingegangene Dokumente registrierten. In dieser dem franz. maître des requêtes ähnlichen Bedeutung erscheint die Bezeichnung z. B. bis 1806 für den Reichsreferendar in der Wiener Reichshofkanzlei …

Refeudalisierung

(705 words)

Author(s): Asch, Ronald G.
Unter R. wird ein Prozess der Veräußerung vormals königlicher (Regalien) oder staatlicher Hoheitsrechte an adlige oder nobilitierte Familien verstanden. Wiederholt wurde er durch Finanzkrisen ausgelöst (Staatsfinanzen), mit denen sich namentlich die span. Krone im 17. Jh. konfrontiert sah [9]. In der Regel wird der Begriff daher v. a. auf entsprechende Vorgänge in Kastilien und im span. beherrschten Süditalien ( Neapel und Sizilien) angewandt. In Süditalien veräußerte die stets am Rande des Bankrotts (Staatsbankrott) lavierende span. Krone seit dem Aus…

Reform

(3,252 words)

Author(s): Schilling, Lothar
1. Einführung und Begriff Das Wort R. (in den Quellen bis ins 17. Jh. reformacye, reformatz/e, reformation, reformacion o. Ä. von lat. reformatio, wörtlich ›Wiederherstellung‹, ›Umbildung‹; seit dem 17. Jh. franz. auch réforme, im 18. Jh. ins Deutsche übernommen) diente während der gesamten Nz. als Schlüsselbegriff zur Bezeichnung der legitimen Umgestaltung bestehender Verhältnisse. Sein Bedeutungsspektrum ist relativ breit, da er in mannigfachen Kontexten vom relig. Leben über die Rechts- und Verfassungsordnung bis hin zu de…

Reformabsolutismus

(3,323 words)

Author(s): Demel, Walter
1. Allgemeines 1.1. Begriff Von R. als einer Variante des Absolutismus (= A.) wird in der Forschung erst seit wenigen Jahrzehnten gesprochen. Ein Teil der dt.sprachigen Historiker [7] möchte – unter deutlicher Verschiebung der Akzente, teilweise auch des chronologischen Ansatzes – durch diesen Terminus den Begriff des aufgeklärten (= aufg.) A. ersetzen, an dem andere weiterhin festhalten [5]. Der Begriff ›aufg. A.‹ wurde 1847 von dem Nationalökonomen Wilhelm Roscher geprägt und später weiter ausgeführt [1]; [2] (vgl. zur Begriffsgeschichte auch [12]; [16]; [20]; [22]; [24]; [25…

Reformation

(11,304 words)

Author(s): Wendebourg, Dorothea | Schilling, Johannes | Strohm, Christoph | Null, John Ashley | Prankel, Dieter | Et al.
1. Historischer Überblick 1.1. Begriff und neuzeitliche Deutung R. (von lat. reformatio, ›Wiederherstellung‹, ›Umgestaltung‹) ist seit der Mitte des 19. Jh.s spezieller Terminus für die eine Seite jener Vorgänge, durch die im 16. Jh. die westl. Christenheit in mehrere einander antagonistische Konfessionskirchen auseinandertrat; sein Antonym, welches die andere Seite bezeichnet, ist Gegen-R. Zuvor hatte der Begriff die allgemeine Bedeutung von Reform. So begegnet reformatio bzw. die zugrundeliegende verbale Form reformare in den kirchl. und polit. Reformbewegungen…

Reformationsjubiläum

(887 words)

Author(s): Cordes, Harm
Das R. ist eine besondere Form des Reformations-Gedenkens. Die histor. R. spiegeln Zustand und Selbstverständnis der evangelischen Kirchen und deren Einbettung in ihr zeit- und geistesgeschichtliches Umfeld wider. Im April 1617 regte Pfalzgraf Friedrich V. die erste Säkularfeier der Reformation an und terminierte sie auf den 2. 11. 1617, den Sonntag nach dem 31.10. (dem Jahrestag von Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Kirche). Zeitgleich initiierte die Universität Wittenberg eine Säkularfeier in Kursachsen (31.10.–…

Reformbewegungen, außereuropäische

(1,346 words)

Author(s): Bley, Helmut
1. Allgemein Die außereurop. Gesellschaften waren, wie grundsätzlich Gesellschaften in histor. Prozessen, in der Nz. ständigem Wandel unterworfen. Auf gesellschaftliche Veränderungen gerichtete Initiativen lassen sich als polit., soziale sowie auch wirtschaftliche Reformen deuten und waren sowohl Antworten auf innere Krisen als auch Reaktionen auf äußere Einwirkungen, wenn es nicht durch Eroberungen oder große Migrationen zu Strukturwandel kam. R. nahmen häufig auch relig. Formen an. Im Kontext der sich verdichtenden europ.…

Reformbewegungen, religiöse

(14 words)

s. Religiöse Reformbewegungen

Reform Bill

(13 words)

s. Wahlen

Reformierte Kirchen

(18 words)

s. Calvinismus | Evangelische Kirchen | Konfessionalisierung

Reformjudentum

(2,284 words)

Author(s): Haußig, Hans-Michael
1. Definition Unter R. versteht man eine im 19. Jh. zunächst in Deutschland auftretende Strömung innerhalb des Judentums, die sich darum bemühte, die überlieferte Religion mit den Anforderungen der Moderne in Einklang zu bringen. Neben dem Ausdruck R. finden sich auch die Bezeichnungen ›liberales‹ und ›progressives Judentum‹. Die begriffliche Benennung ist jedoch wesentlich jüngeren Datums als die Bewegung selbst. Diese trat zunächst auch nicht mit dem Vorhaben der Bildung einer neuen eigenständigen Gruppierun…

Regalien

(1,208 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
1. Begriff und Bedeutung In den Monarchien Europas galten als ›königliche Rechte‹ (lat. iura regalia) im weiteren Sinn alle in ihrem ideellen Urpunkt exklusiv der königlichen oder kaiserlichen Gewalt anhaftenden Hoheitsrechte, darunter auch die höchstrichterliche und militärische Stellung, insofern auch in Abgrenzung zu den Kompetenzen der röm. Kirche. Diese monarchischen Kernrechte wurden bis ins 18. Jh. als regalia maiora (›höhere R.‹) begriffen. Jedoch überwog in der Frühen Nz. mit dem Aufkommen des Souveränitäts-Konstrukts zunehmend das engere Verständnis der regalia …

Régence, Regency

(1,190 words)

Author(s): Knopp, Katrin Simona
1. Begriff Als franz. régence (engl. regency) wird i. Allg. die stellvertretende Regierung eines Landes durch einen Regenten bezeichnet. In der europ. Kulturgeschichte werden insbes. zwei Regentschaften auch als Epochenbegriff verwandt: R. in Frankreich zu Beginn des 18. Jh.s und Regency in England zu Beginn des 19. Jh.s. 2. Régence in Frankreich Historisch bezeichnet R. die Periode zwischen dem Tod König Ludwigs XIV. (1715) und der Übernahme der Herrschaft durch Ludwig XV. (1723), in welcher Herzog Philipp II. von Orléans die Regentschaft für den noch minderjährige…

Regen [Hinzugefügt 2018]

(2,728 words)

Author(s): Sieglerschmidt, Jörn
1. Allgemeines und Begriffliches R. gehört zu den wässerigen Meteoren ( Komet) – so die Definition seit der Antike, die teils bis in das 19. Jh. Gültigkeit behielt. Unter Berufung auf die Meteorologie des Aristoteles zählten im geozentrischen Weltbild generell alle sich unterhalb der Mondsphäre abspielenden elementaren Prozesse (Elemente) zu den Meteoren, d.h. sie wurden nicht als Phänomene der unveränderlichen, oberhalb des Mondes verorteten Sternensphäre betrachtet, sondern als Teil der kontingenten und veränderlichen Sphäre unterhalb des Mondes ( Kosmos; Sonne und Mond) [1…
Date: 2018-11-21

Regent/in

(1,826 words)

Author(s): Kolk, Caroline zum | Kühn, Sebastian
1. Begriff Regentschaft (= Reg.) bedeutet die zeitweise Übertragung von Herrschafts-Rechten. Sie stellt im Zusammenhang von Erblichkeit und Primogenitur (Thronfolge) ein zentrales Instrument zur Bewahrung dynastischer Herrschaft dar ( Dynastie). Der Begriff R. tritt erstmals im 14. Jh. auf; vorher und parallel finden sich Bezeichnungen wie rector, rectrix, moderatrix, gubernator, administratix (etwa ›Lenker/in‹, ›Verwalter/in‹), die auf vielfältige Traditionen verweisen. Grundsätzlich können drei Voraussetzungen unterschieden werden: (1) Bei Abwesenheit des H…

Regierung

(16 words)

s. Kabinett | Minister | Parlament | Premierminister

Regionalhandel

(664 words)

Author(s): Denzel, Markus A.
Unter R. versteht man kommerzielle Aktivitäten, die – aus geographischer Perspektive – zwischen dem im Wesentlichen lokal beschränkten Detail-Handel und dem weite Entfernungen überbrückenden Fernhandel lagen. R. bezeichnet somit den – vielfach durch die vorhandenen (vorindustriellen) Transportmöglichkeiten limitierten (Transport und Verkehr) – Handel innerhalb einer bzw. zwischen zwei oder mehreren Wirtschaftsregionen. Kaufleute spezialisierten sich oftmals auf den R., wenn sie ein größeres Unternehmerrisiko vermeiden wollten un…

Regionalismus

(4,156 words)

Author(s): Stauber, Reinhard
1. Region, Regionalisierung Lat. regio bedeutete neben ›Richtung‹, ›Lage‹ und ›Grenze‹ auch ›Gebiet‹, ›Bereich‹; so wurde der Begriff in der Antike zuerst auf die Stadtviertel Roms, später auf die Binnenlandschaften Italiens angewandt. Zedlers Lexikon führt regio als lat. Äquivalent zu ›Land‹ in allgemeinster Bedeutung als ›ein gewisses Stück von der Oberfläche der Erd-Kugel‹ an [1. 376]. Im heutigen Sprachgebrauch ist das Bedeutungsfeld von ›Region‹ (= Rg.) weit gespannt, der analytische Wert aufgrund des hohen Abstraktionsgrads des Konzepts und se…

Regionalwissenschaften

(10 words)

s. Regionalismus

Register

(705 words)

Author(s): Rosenke, Stephan
1. Medien R. sind meist alphabetisch geordnete Begriffsverzeichnisse mit Verweis auf die jeweiligen Vorkommen des Texts, den sie begleiten. Sie sind umfangreicheren wiss. Büchern beigegeben, um ein schnelles Nachschlagen zu ermöglichen. Weit verbreitete Ausprägungen sind Sach-, Personen- oder Orts-R. Ma. Bezeichnungen lauteten lat. pinax oder tabula (›Tafel‹), repertorium (›Fundort‹) oder registrum; ab der Frühen Nz. wurde im Lateinischen v. a. index gebräuchlich. Das R. als Texterschließungswerkzeug entstand im 13. Jh., ungefähr zeitgleich zu Konkordanzen. Ebenso…

Registratur, wissenschaftliche

(789 words)

Author(s): Brendecke, Arndt
Empirisches Arbeiten erfordert die Auswahl von Beobachtungen oder Materialproben und deren Aufzeichnung oder Ablage; entsprechende Verfahren lassen sich als W. R. bezeichnen. Sie gewannen im Zuge der Hinwendung zu empirischen Beobachtungen (Empirismus) in der Frühen Nz. an Bedeutung, manifestierten sich z. B. in Listen, Tabellen, Zettelkästen, Regalen und Herbarien und blieben über den Wandel der wiss. Ordnungsentwürfe hinweg vergleichsweise stabil (Wissenschaftsorganisation). Urszene der W. R. ist das Ablegen gesammelter Gegenstände auf einem Tisch (franz. mise en…

Reich

(4,721 words)

Author(s): Wendehorst, Stephan
1. Begriff und Diskursgeschichte 1.1. Semantisches Feld Zur Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Vorstellungen, die mit dem Begriff R. verbunden sind, tragen die unterschiedlichen Erinnerungskulturen, die Traditionen einzelner Wissenschaftsdisziplinen sowie eine komplexe sprachliche Verwendung bei. Ein Großteil dieser Vorstellungen lässt sich auf das für den Westen/das christl. Europa archetypische antike Röm. R. zurückführen. Im Deutschen sind parallel zu R., aber nicht notwendig synonym, auch das lat. imperium und das engl. empire in Gebrauch. Die Begriffe Herrsch…

Reich, Altes (römisch-deutsches)

(20 words)

s. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Reich der Mitte

(17 words)

s. Chinesische Welt

Reiche, außereuropäische

(31 words)

s. Chinesische Welt | Inka | Kolonialreich | Maya | Mogulreich | Osmanisches Reich | Russländisches Reich | Staatenbildung, außereuropäische

Reich-Gottes-Erwartung

(2,247 words)

Author(s): Kuhn, Thomas Konrad
1. Allgemeines Die nzl. R.-G.-E. (oder Erwartung einer Herrschaft Gottes) ist nicht vornehmlich ein theologiegeschichtliches, sondern vielmehr ein zentrales Thema der Frömmigkeitsgeschichte (Frömmigkeitskulturen; Volksfrömmigkeit); nur vereinzelt kommt ihr eine prägende Funktion für theologische Konzepte zu. Die Differenzierung zwischen einer akademisch-theologischen bzw. philosophischen Reflexion (z. B. im dt. Idealismus) über den Begriff des Reiches Gottes (= R. G.) einerseits und einer akuten R.-G.-E. mit ihren…

Reichsabschied

(10 words)

s. Reichsgesetzgebung

Reichsacht

(738 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
Die R. (von mhdt. achte, ›Verfolgung‹) war ein einschneidendes Justiz- und Exekutivinstrument des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, das hauptsächlich in gewichtigen polit. Verfahren zum Einsatz kam. Mit ihr erklärten der Kaiser oder in dessen Namen eines der obersten Reichsgerichte (Reichshofrat; Reichskammergericht) ein Mitglied des Reiches wegen schwerer Rechtsbrüche – nach der Nichtbefolgung der entsprechenden Vorladung – zum öffentlichen Feind und schlossen es aus der regulären staatlichen Friedens- und Rechtsgemeinschaft aus. Der Geächtete sollte als R…

Reichsdeputationshauptschluss

(780 words)

Author(s): Hufeld, Ulrich
Der R. vom 25. 2. 1803 war das letzte Reichsgrundgesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er markiert den histor. Wendepunkt zwischen der Französischen Revolution 1789 mit ihren Folgewirkungen für Deutschland und dem Untergang des Reichs 1806 (Erklärung Kaiser Franz' II. über die Niederlegung der dt. Kaiserkrone). Der R. hob Mediatisierung und Säkularisation in den Rang von Reichsverfassungs-Recht und erschütterte damit die alte Reichsordnung. Auf Kaiser und Reich, auf Schutz und Schirm gerade der geistlichen und mindermächtigen Reichsstände war kein V…

Reichsdorf

(804 words)

Author(s): Marquardt, Bernd
Unter einem R. (auch Reichshof oder Reichstal) ist eine reichsunmittelbare Gerichtsgemeinde im spätma.-frühnzl. Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu verstehen (Reichsunmittelbarkeit). Ihre Rechtsstellung wies Gemeinsamkeiten mit derjenigen der Reichsstädte auf, soweit vom Fehlen des Stadtrechts und des Zuganges zum Reichstag abgesehen wird. Die Nicht-Reichsstandschaft hatten sie mit den Reichsrittern gemein. Es handelte sich bei einem R. um den sehr seltenen Sonderfall einer bäuerlichen Gemeinde ( Dorfgemeinde), die nicht (originär) einer lokalen Ge…

Reichsgericht

(12 words)

s. Reichskammergericht | Reichshofrat

Reichsgesetzgebung

(2,029 words)

Author(s): Buschmann, Arno
1. Definition und Terminologie Unter der R. des nzl. Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird allgemein die Gesamtheit der legislatorischen Maßnahmen verstanden, die von Reichs wegen erlassen wurden und in der Regel für das gesamte Reichsgebiet galten. Die Bezeichnung selbst entspricht nicht der zeitgenössischen Diktion, sondern ist moderner Sprachgebrauch. Zeitgenössisch sprach man von leges imperiales (lat.; ›Reichsgesetze‹), bei den Verfassungs-Gesetzen von leges fundamentales Sacri Imperii Romani bzw. später von Reichsgrundgesetzen, ansonsten von Re…

Reichsgrundgesetze

(857 words)

Author(s): Mohnhaupt, Heinz
1. Begriff Die R. sind Normen, die für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bis zu seiner Auflösung (1806) rechtliche Teilordnungen darstellten, welche in ihrer Summe nach heutigem Verständnis seine Verfassung ausmachten ( Reichsverfassung). Reichsgesetzlich wurde der Begriff erstmals in Art. 14 der Wahlkapitulation Ferdinands III. von 1636 verwendet. Die R. waren nicht in einer einheitlichen Verfassungsurkunde zusammengefasst, sondern bildeten einen seit dem MA nach Inhalt und Bedeutung ständig ausgeweiteten Normenkreis, der – w…

Reichshandwerksordnung

(684 words)

Author(s): Winzen, Kristina
1. Inhalt Nach verschiedenen Regelungen in den Reichspolizeiordnungen des 16. Jh.s (Polizei) war die R. von 1731 das erste Reichsgesetz im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das sich ausschließlich mit der Regulierung des Handwerks befasste. Zentrale Ziele waren dabei im Zuge des Ausbaus staatlicher Gewalt die Disziplinierung und obrigkeitliche Kontrolle der korporativ verfassten Handwerker [3], indem das von einer Obrigkeit einseitig erlassene Recht über das Recht als Ausdruck des Willens einer Rechtsgemeinschaft gesetzt wurde [5]. Das als eigenmächtig angeseh…

Reichsheer

(10 words)

s. Reichskriegsverfassung

Reichshofkanzlei

(969 words)

Author(s): Auer, Leopold
1. Allgemein Aus einer Schreib- und Beurkundungsstelle entwickelte sich die Kanzlei der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Verlauf des SpätMA zu einer Institution von polit. Bedeutung im Rahmen des entstehenden Behörden-Apparats am Hof des Herrschers. Dabei ist zunehmend eine Differenzierung der Arbeitsabläufe und eine Verwendung weltlicher, juristisch geschulter Kanzleikräfte zu beobachten (der erste nichtgeistliche Kanzler war Kaspar Schlick ab 1432). In Zusammenarbeit mit Rat sowie Finanz- und Gerichtsbehörden war di…

Reichshofrat

(2,436 words)

Author(s): Ortlieb, Eva
1. Definition und Geschichte Der R. war ein Ratsgremium des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, zuständig für Reichslehen, Gnadensachen und Rechtsangelegenheiten. Insbes. arbeitete er neben dem Reichskammergericht als zweites Höchst-Gericht des Reichs. Der R. entstand am Hof des Reichsoberhaupts im Rahmen eines längeren administrativen Modernisierungsprozesses, der sich im Wesentlichen über die erste Hälfte des 16. Jh.s erstreckte. 1497 reorganisierte König Maximilian I. seinen Hofrat, der unter der Leitung von Hofmeister und Hofmarschal…

Reichsitalien

(801 words)

Author(s): Schnettger, Matthias
Als R. bezeichnet man die Reste des ursprünglich langobardischen regnum Italiae, das seit Otto I. im 10. Jh. mit dem dt. Königtum in Personalunion verbunden war und einen Teil des ma. Heiligen Röm. Reichs bildete. Auch ohne Krönung mit der Eisernen Krone der Langobarden (letztmals Karl V. 1530) und ohne den Titel eines ital. Königs zu führen, nahmen die Kaiser der Nz. die Lehns- und sonstigen Reichsrechte über Ober- und Mittelitalien wahr ( Lehnswesen). Freilich waren diese bisweilen umstritten, wie im Fall von Florenz oder dem des Herzogtums Parma und Piacenza, über das konkurri…

Reichskammergericht

(2,234 words)

Author(s): Ortlieb, Eva
1. Definition und Geschichte Das R. war neben dem Reichshofrat eines der beiden Höchst-Gerichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation der Nz. Das R. gilt – zusammen mit dem sog. Ewigen Landfrieden – als wichtigstes und dauerhaftes Ergebnis der sog. Reichsreform an der Wende vom 15. zum 16. Jh. Auf dem Reichstag zu Worms 1495 einigten sich König Maximilian I. und die Reichsstände nach längeren Diskussionen darauf, ein ständiges Reichsgericht einzusetzen, das von Reichsoberhaupt und Ständen gemeinsam besetzt sowie finanziert werden und seinen Sitz…

Reichskirche

(10 words)

s. Staatskirche

Reichskreise

(884 words)

Author(s): Mally, Anton Karl
1. Einteilung Die Kreisverfassung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die am Beginn der Nz. begründet wurde, war in anderer Form schon im SpätMA geplant worden. Der Gedanke, die dt. Landesherrschaften zu regionalen Gruppen zusammenzufassen, fand seinen ersten nachweislichen Ausdruck auf dem Nürnberger Reichstag von 1383. Damals wurde die Handhabung des Landfriedens vier landschaftlichen ›Zirkeln‹ bzw. fürstlichen ›Parteien‹ anvertraut, die sich durch ihre äußere Umgrenzung über das regnum Teutonicum und das mit diesem lose verbundene Königreich Böhmen ers…

Reichskriegsverfassung

(1,040 words)

Author(s): Pelizaeus, Ludolf
1. Entwicklung Die R. der Nz. ist ein Beispiel für die Verlagerung des Wehrwesens vom Reich auf die Territorien. Diese Entwicklung verlief entgegengesetzt zu jener in den meisten westeurop. Ländern, wo die Gesamtmonarchie sich das Gewalt-Monopol im militärischen Bereich zu sichern vermochte (Militär; Landfriede). War die R. zunächst vornehmlich als Mittel gegen Friedensstörer im Inneren gedacht, entwickelte sie sich durch die Reichsdefensionalordnung von 1681 zu einer reinen Verteidigungsordnung, die allerdings immer mehr hinter …

Reichsmünzordnung

(996 words)

Author(s): Schneider, Konrad
1. Allgemein Als R. werden die auf den Reichstagen in Esslingen (1524) und Augsburg (1551 und 1559) verabschiedeten Regelungen zur Vereinheitlichung des Münzwesens des Alten Reiches verstanden. Eine solche Vereinheitlichung war notwendig geworden, weil die willkürlichen Veränderungen des Münzfußes, d. h. der Zahl der aus einer Gewichtseinheit Metall zu schlagenden Münzen, durch die Münzherren einzelner Territorien Handel und Gewerbe wirtschaftlich schädigten. R. waren Teil der Reichsreform des 16. Jh.s. Das Münzwesen des Alten Reiches war im 14. und 15. Jh. von m…

Reichspost

(810 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
Obwohl das mitteleurop. Post-Wesen keine Institution des Alten Reiches war, wurde es doch von Anfang an als kaiserlich empfunden. Ursache dafür war, dass der dt. König Maximilian I. (ab 1508 Kaiser) noch zu Lebzeiten seines Vaters, Friedrichs III., 1490 die lombardische Postbetreiberfamilie der Tassis/Taxis nach Innsbruck holte. Als die Post im frühen 16. Jh. zu einer öffentlichen Einrichtung wurde, erfolgte die Finanzierung bereits über Maximilians Sohn, Herzog Philipp den Schönen von Burgund. Die Zentrale des kaiserlichen Postwesens befand sich seit 1501 in Brüssel. Daran…

Reichspublizistik

(926 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
Der Forschungsbegriff R. ist die dt. Form der um 1600 eingeführten lat. Kategorie Ius publicum Imperii, mit der das Fach des Öffentlichen Rechts des Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation bezeichnet wurde; ferner wird er heute zur Kennzeichnung aller zeitgenössischen Schriften eingesetzt, die sich mit dessen Verfassung und Politik beschäftigen. Die Entstehung der wiss. Reflexion über das Recht des Reiches gegenüber anderen Rechten, über die Rechte der Inhaber von Reichsämtern und über die Rechtsbeziehungen der Reichsinstitutionen untereinander…

Reichsritter

(896 words)

Author(s): Pelizaeus, Ludolf
1. Historische Entwicklung Zur R.schaft (lat. nobilitas libera et immediata imperii) zählten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation Angehörige des niederen Adels, die ein Gut von festgesetzter Mindestgröße und v. a. Reichsunmittelbarkeit besaßen. Die Vorformen der R.schaft reichen ins späte MA zurück und hatten ihre regionalen Schwerpunkte am Rhein, in Franken und Schwaben sowie in den im MA königsnahen Landschaften. Schon im 15. Jh. bildete diese Adelsgruppe Einungen (Genossenschaften). Bei diesem Prozess spalteten sich die Grafen als s…

Reichsschluss

(10 words)

s. Reichsgesetzgebung

Reichsstadt

(1,177 words)

Author(s): Brandt, Robert
1. Begriff R. werden alle Städte im Alten Reich genannt, die unmittelbar dem König bzw. Kaiser sowie dem Reich unterstanden und Sitz und Stimme am Reichstag (Reichsstandschaft) besaßen. Da die R. keinem Landesherrn untertan waren, sondern allein den Kaiser als Stadtherrn über sich hatten ( Reichsunmittelbarkeit), und da sie seit dem SpätMA auf den Hof- und Reichstagen vertreten waren, wo sie schließlich seit der Wende vom 15. zum 16. Jh. eine eigene Kurie bildeten, zählten sie zu den Reichsständen. Reichsunmittelbarkeit und Reichsstandschaft bezogen sich auf die Stadt a…

Reichsstände, Reichsstandschaft

(15 words)

s. Reichstag | Ständeversammlung

Reichstag

(1,527 words)

Author(s): Liebmann, Edgar
1. Wesen und Aufbau R. bezeichnete im nzl. Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Versammlung der Reichsstände. Er war keinesfalls ein Parlament im modernen Sinn, sondern entsprechend der zeitgenössischen Formel ›Kaiser und Reich‹ neben und zusammen mit dem Kaiser wichtigstes Verfassungs-Organ des Reiches; in ihm bildete sich die komplexe ständische Verfassungsstruktur ab. Der R. setzte sich aus der kurfürstlichen, der reichsfürstlichen und der reichsstädtischen Kurie zusammen (vgl. Abb. 1). Entsprechend ihrer Stellung in der Reichshierarchie spielten die Kurfü…

Reichstaler

(10 words)

s. Taler

Reichsunmittelbarkeit

(667 words)

Author(s): Pelizaeus, Ludolf
R. besaßen die nicht einer Landesherrschaft unterstellten natürlichen oder juristischen Personen und Korporationen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dieser im europ. Zusammenhang einzigartige Rechtsstatus (reichsimmediat bzw. reichsfrei) äußerte sich in der unmittelbaren (immediaten) Unterstellung unter Kaiser und Reich, im Gegensatz zur Landeszugehörigkeit. Zwar hatten in Spanien die Inhaber einer señorío (›Herrschaft‹) umfangreiche Rechte gegenüber der Krone, und auf Adelsgütern in Frankreich und Großbritannien konnten die Grundherren Sonder…

Reichsverfassung

(2,272 words)

Author(s): Buschmann, Arno
1. Begriff Unter der R. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist in der Nz. dessen polit. und rechtliche Gesamtordnung zu verstehen, wie sie sich aus dessen Geschichte entwickelt und seit dem SpätMA reichsrechtlich verfestigt hatte. Die Zeitgenossen, namentlich die Vertreter der Reichspublizistik, sprachen statt von R. allerdings von (lat.) status bzw. status imperii, ›Staats-Verfassung‹ (›des Teutschen Reiches‹). Erst die Historiographie des 19. Jh.s bediente sich zunehmend des Ausdruckes ›R.‹, der seither zu einem gebräuchlichen Termi…

Reichsvikariat

(10 words)

s. Sedisvakanz

Reichtum

(2,883 words)

Author(s): Ago, Renata | Honsel, Konrad
1. Definition Das Nachdenken über das Wesen und die moralische wie polit. Berechtigung des R. ist sehr alt. Die bis ins MA und in die Frühe Nz. einflussreichste Analyse und Kategorisierung stammt aus Aristoteles’ Politik (Kapitel 1, 1256–1257), wo zwei Formen des R. unterschieden werden: Die eine dient dazu, die natürlichen menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen und ist durch deren Natur selbst begrenzt; die andere geht nicht aus den Bedürfnissen der Menschen hervor, sondern aus ihren (grenzenlosen) Begehrlichkeiten. Typ 1 ents…

Reinheit

(976 words)

Author(s): Gareis, Iris
1. Allgemein Der Begriff R. wird universell verwendet, doch ist sein semantisches Feld kulturspezifisch gebunden. Je nach Kontext bezeichnet das Wort unterschiedliche Formen der R. Im Wortsinn bedeutet es Sauberkeit, etwa der Kleidung oder von Objekten. Im Kontext moderner Hygiene-Vorstellungen, die verstärkt im 19. Jh. aufkamen (vgl. Baden), meint R. bes. Keimfreiheit. Im übertragenen Sinn spielt der Begriff als rituelle oder spirituelle R. in den meisten Religionen eine bedeutende Rolle, weshalb vor relig. Handlungen häufig Purifikationsrituale vorgeschrie…

Reinkarnation

(10 words)

s. Seelenwanderung

Reis

(2,415 words)

Author(s): Häberlein, Mark | Sanz Lafuente, Gloria
1. Weltwirtschaft 1.1. Asien bis 1800 Im gesamten subtropischen und tropischen asiat. Raum wird R. seit Jahrtausenden produziert; er hatte auch in der Nz. als Grundnahrungsmittel enorme Bedeutung. Als Grundformen der Produktion sind der Anbau in natürlich überfluteten bzw. überstauten Küsten- und Flussniederungen ( Sumpf- bzw. Wasser-R.), der Terrassenfeldbau mit künstlicher Bewässerung sowie der Anbau anspruchsloserer Sorten in Höhenlagen (Berg-R., Trocken-R.) zu unterscheiden. Aufgrund der Tatsache, dass Süd- und Ostasien klimatisch b…

Reise

(10,428 words)

Author(s): Beyrer, Klaus | König, Hans-Joachim | Eggert, Marion | Mathias, Regine | Dharampal-Frick, Gita | Et al.
1. Europa 1.1. Begriff und Forschung Das Wort R. (von ahdt. reisa, mhdt. reise, ›sich in Bewegung Setzen, Aufbrechen, von einem Ort Weggehen‹, auch unter Zwang) entsprach bis in die Frühe Nz. hauptsächlich dem ›Aufbruch zum Kriege‹ oder meinte den Kriegszug selbst. Seit dem 16. Jh. verlor der militärische Bedeutungszusammenhang an Gewicht und trat hinter eine allgemeine Verwendung im Sinne von ›Ortswechsel‹ zurück [1. 718–723, 734–739]. Aus jüngerer Zeit stammen Konnotationen im Umfeld von ›Bildung‹ (Bildungsreise) und ›Vergnügen‹ (R.-Lust). In den einschlägigen Forschungs…

Reisebericht, Reisebeschreibung

(15 words)

s. Reise | Reiseliteratur

Reiseführer

(1,021 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
1. Allgemein Den R. verbindet eine stoffliche Verwandtschaft mit dem Routenhandbuch und dem Itinerar, aber auch mit dem Stadtführer. Anders als die nüchterne Wegskizze älterer Routenverzeichnisse legen R. den Schwerpunkt auf die Beschreibung unterwegs anzutreffender Orte und ihrer Sehenswürdigkeiten. Die um Itinerarien erweiterten Städtebücher entwickelten sich seit dem späten 16. Jh. zu praktischen Reisehilfsmitteln. 2. Das 17. und 18. Jahrhundert Für die Kombination aus Weg- und Stadtbeschreibung steht als einer der ersten dt. schreibenden Autoren der Ulmer Lehrer Mar…

Reisehilfsmittel

(1,983 words)

Author(s): Beyrer, Klaus
1. Allgemein Zur angemessenen Ausstattung ihrer Grand Tour (Kavalierstour) zählten die erfahrenen Bildungsreisenden eine Reihe von nützlichen Dingen und Bequemlichkeiten (Bildungsreise). Instrumente, Karten und Handbücher erleichterten die Orientierung unterwegs. Reisebeschreibungen erfreuten sich bei der Vorbereitung als Ratgeber besonderer Beliebtheit (Reiseliteratur; Reiseführer). Im 16. Jh. erlebten Reiseanleitungen (Apodemik) und Itinerarien eine Blütezeit. Pilger und Kaufleute profitierten als Erste von den Reisewerken. Zu weiteren Zielgru…

Reisekunst

(10 words)

s. Apodemik

Reiseliteratur

(2,979 words)

Author(s): Brenner, Peter J.
1. Gattungskonstitution Das Beschreiben von Reisen gehört zu den Urszenarien der abendländischen Literatur: Die großen frühen Epen – das babylonische Gilgamesch-Epos, die griech. Odyssee, die lat. Aeneis – folgen dem Muster des Reiseberichts (= Rb.). In der lit. Entwicklung des MA gewann das Motiv der Reise europaweit an Bedeutung [6]. Vom späten MA bis zur Mitte des 18. Jh.s blieb der lit. Status von R. jedoch undiskutiert. Neben Rb., denen eindeutig tatsächlich unternommene Reisen zugrunde liegen und die keinen anderen Ehrgeiz haben, als übe…

Reisepass

(1,009 words)

Author(s): Didczuneit, Veit
1. Entwicklung im 15. und 16. Jahrhundert Pass als Lehnwort leitet sich von franz. passeport/ital. passaporto ab; verwandte dt. Bezeichnungen für den R. waren ›pass brieff‹, ›passzettel‹ oder ›passborten‹. Der R. gehörte zu den unverzichtbaren Reisehilfsmitteln der Nz. Diese Identitätsurkunde sollte in Gegenwart der Person ihre Authentizität und rechtmäßige Präsenz belegen. Als neue Form der Bescheinigung einer einzelnen Person lässt sich der R. seit dem 15. Jh. in Europa nachweisen. Während die älteren Geleitbriefe und Empfehl…

Reisläufer

(883 words)

Author(s): Tresp, Uwe
R. waren frei geworbene, zu Fuß kämpfende Söldner. Der Begriff ist vom mhdt. Wort reise als Bezeichnung für einen Kriegszug abgeleitet, dem der Söldner zu- oder nachläuft. Das Wort setzte sich – im Unterschied zu den Landsknechten dt. Herkunft – als Typenbezeichnung für Söldner aus der Schweiz durch; es ist allerdings in zeitgenössischen Quellen relativ selten überliefert, wo die damals gebräuchlicheren Begriffe ›Schweizer‹ oder ›Schweizer (Fuß-) Knecht‹ überwiegen. Spätestens seit Beginn des 14. Jh.s entwickelte sich auf dem Gebiet der heutigen Schweiz eine Tra…

Reiterstandbild

(12 words)

s. Plastik | Standbild

Reitkunst

(2,725 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick In allen Gesellschaften, in denen das Pferd exklusives Transportmittel, unverzichtbare Voraussetzung persönlicher Mobilität, eine wertvolle Waffe auf der Jagd und im Krieg sowie ein teures Prestigeobjekt war, gehörte die Fähigkeit, gut zu reiten, zu den verpflichtenden Grundkenntnissen des Adels ( Standesbildung). Eben weil das Reiten hohem sozialen Status entsprach, hütete man seine Regeln – wie überhaupt das Wissen über Pferde – als herrschaftliche Arcana und vermied es, sie schriftlich festzuhalten [20. 91]. Erst mit dem Beginn der Nz. wurde das Reite…

Rekatholisierung

(2,570 words)

Author(s): Leeb, Rudolf
1. Begriff R. gehört in eine Begriffsreihe mit Gegenreformation (= G.), Katholischer Reform, kath. Konfessionalisierung (= Konf.) und kath. Sozialdisziplinierung, die jeweils unterschiedliche Facetten desselben histor. Phänomens bezeichnen: der Herausbildung der Römisch-Katholischen Kirche nach der Reformation. Der mit R. gemeinte histor. Sachverhalt wird bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch als G. bezeichnet (vgl. Katholische Reform 1.). Die kath. Forschung hat trotz eines gewissen Unbehagens bis heute an diesem Begriff…

Reklame

(10 words)

s. Werbung

Rekonfessionalisierung

(13 words)

s. Evangelische Kirchen | Rekatholisierung

Rekrutierung

(743 words)

Author(s): Pröve, Ralf
Der von lat. recrescere (›wieder nachwachsen‹) über franz. recroître abgeleitete Begriff R. umfasst den prozesshaften Vorgang einer Aufstockung militärischer Verbände. Ein Rekrut ist demnach Teil des militärischen Nachwuchses, d. h. ein Soldat in der Ausbildung. Der nzl. R. vorangestellt war die Phase der Auffindung geeigneter Kandidaten, die je nach regionaler Entwicklung, herrschaftlicher Durchdringung, verfassungsrechtlichem Fundament und militärpolit. Vorgaben (Militär) unterschiedliche Modi und Verfahren aufwies: Prinzip der Werbung von Freiwilligen, Pres…

Rektor

(736 words)

Author(s): Wallentin, Stefan
1. Begriff Im MA wurden hohe kaiserliche Beamte, leitende Verwaltungspersonen in den nordital. Stadtstaaten, die obersten Repräsentanten der frühen Universitäten in Italien und Frankreich wie auch die Vorsteher von Lateinschulen und hohe Geistliche als rectores (von lat. regere, ›lenken‹, ›leiten‹) bezeichnet. In der Nz. hielt sich diese Amtsbezeichnung v. a. in den Institutionen der höheren Bildung und in der kirchl. Verwaltung, etwa für die Vorsteher von Nebenkirchen oder geistlichen Orden [5]. 2. Historische Entwicklung Die Wurzeln der bis heute gebräuchlichen Bez…

Relation

(10 words)

s. Zivilprozess

Relief

(1,009 words)

Author(s): Kanz, Roland
1. Definition und Begriffsgeschichte Das R. ist neben der Freiskulptur bzw. Rundplastik eine der beiden Hauptgattungen der Skulptur. Als R. sind Körper oder Formstrukturen einer Darstellung (Figuren, Landschaften, Ornamente) in allen der Skulptur und Plastik zu Verfügung stehenden Materialien zu verstehen, die aus einer planen, gewölbten oder runden Grundfläche hervortreten. Bei materialabnehmender Technik (etwa bei Stein oder Holz) bestimmt das Werkstück, bei aufbauender Technik (modellier- und gießbare Materialien wie Wachs,…

Religionen

(5,647 words)

Author(s): Bergunder, Michael
1. Ausgangslage Die Behandlung des Themas ›Religion‹ (= R.) und ›Religionen‹ (= Rn.) hat zu bedenken, dass sich der heutige Gebrauch des Begriffs grundsätzlich von dem in der Nz. unterscheidet und sich erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jh.s durchgesetzt hat. In der Forschung wird von einer Neukonzeption ›in einer gravierenden Zäsur‹ [28. Bd. 4, 12] oder von einer ›monumentale[n] Transition‹ [33. 58] gesprochen. Über diese geschichtliche Konstellation besteht heute weitgehend Einigkeit. Deshalb wird im Folgenden gefragt, ob – und wenn ja, wie – sich chris…

Religionsbegriff

(887 words)

Author(s): Stuckrad, Kocku von
1. Grundlagen Definitionen von ›Religion‹ (= Rel.), ›Religionen‹ und ›religiös‹ sind alles andere als einfache und unbelastete Gegenstandsbestimmungen. Ob man relig. Traditionen (im Plural) miteinander vergleicht und histor. in Beziehung setzt oder die Rel. als einheitliche bzw. ›wahre‹ Kategorie verwendet, hat viel mit der jeweiligen Funktion der Definition zu tun [7]. Postkoloniale Kritik hat deutlich gemacht, dass die Zuschreibung und Aberkennung sowie die inhaltliche Bestimmung von Rel. einem komplexen Machtdiskurs folgt [2]. Die histor. Rekonstruktion von vers…
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