Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

Get access Subject: Jewish Studies
Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Ahasver

(3,202 words)

Author(s): Hasan-Rokem, Galit
Ahasver ist der gebräuchliche Name für die Figur des ewigen oder wandernden Juden, die seit der frühen Moderne die wichtigste Verkörperung des jüdischen Volks in der europäischen Kultur darstellt. Geschichte und Phänomenologie der Figur bieten daher vielerlei Aufschlüsse über die europäische Kultur selbst. Darüber hinaus ist das Motiv des wandernden Juden von Bedeutung, um den kulturellen Ausdruck von jüdischer Mobilität – und mitunter von Mobilität überhaupt – zu interpretieren. 1. Einführung Die Figur des wandernden Juden wurde von der europäischen Kultur in eine…

Ahavat Ẓiyon

(2,107 words)

Author(s): Miron, Dan
Das 1853 erschienene Werk Ahavat Ẓiyon (Zionsliebe) gilt als erster moderner Roman in hebräischer Sprache ( Hebräisch). Ihr Verfasser Abraham Mapu (1808–1867), ein Exponent der Haskala in Litauen, wurde später zu einer prägenden Figur für den frühen Zionismus. Dank der einzigartigen Verbindung von biblischen und modernen Einflüssen wurde Ahavat Ẓiyon zum populärsten hebräischen Roman des 19. Jahrhunderts. In zahlreichen Auflagen erschienen und unter anderem ins Jiddische, Judenspanische, Arabische und Judäo-Persische übersetzt, gehört er zu de…

Ahl al-kitāb

(2,059 words)

Author(s): Gottreich, Emily Benichou
Arabischer Terminus mit der Bedeutung »Leute des Buchs«, d. h. Besitzer einer heiligen Schrift. Der Begriff kennzeichnet nach islamischer Tradition den besonderen Status, den bestimmte nichtmuslimische Gruppen in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften bis zum 19. Jahrhundert innehatten. Zugrunde liegt die Annahme einer Uroffenbarung als einer gemeinsamen Grundlage, die in den Buchreligionen unterschiedlich überliefert wurde und die erst in ihrer islamischen Ausprägung autoritative Geltung erhielt. Das Verhältnis des Islam zu den Juden als ahl al-kitāb geht zurück…

Akademie für die Wissenschaft des Judentums

(1,593 words)

Author(s): Brenner, Michael
Säkulare Forschungseinrichtung in Berlin, die 1919 auf Anregung Franz Rosenzweigs (1886–1929) von dem Althistoriker Eugen Täubler (1879–1953) gegründet wurde. Während der 1920er Jahre war die Akademie die führende Institution auf dem Gebiet der Wissenschaft des Judentums. Sie wirkte als Initiatorin für bedeutende Forschungen, etwa zur Geschichte der Hofjuden, zur jüdischen Mystik oder zu Spinoza, sowie für Editionen, darunter die Schriften Moses Mendelssohns. So wurde sie z…

Alef-Bet

(7 words)

s. Alef-Bet (siehe S. 1)

Alef-Bet

(4,032 words)

Author(s): Tamari, Ittai J. | Kilcher, Andreas B.
In jüdischen theosophischen und kabbalistischen Vorstellungen von der Antike bis in die Neuzeit wurde das hebräische Alphabet ( Alef-Bet) nicht nur als graphisches Repräsentationssystem der hebräischen Sprache (Hebräisch) aufgefasst, sondern galt auch als Träger von symbolischen und metaphysischen Bedeutungen. Mit der Heiligkeit (Kadosh) der hebräischen Buchstaben korrespondierte die Stellung von Schreibern heiliger Texte in Antike und Mittelalter, aber auch die Entwicklung von Drucklettern (Buchdruck). Vor dem H…

Alexanderplatz

(3,717 words)

Author(s): Jasper, Willi
Zentraler Platz in Berlin, der Alfred Döblin (1878–1957) als Titel und Schauplatz für seinen Roman Berlin Alexanderplatz diente. Der Roman, der den Mythos der Metropole Berlin wie kein anderer zum Ausdruck bringt, ist Teil einer umfangreichen Literatur, die auf die Modernisierungsdynamik der Stadt mit Zivilisationskritik ebenso wie mit Faszination reagierte. Gerade von jüdischen Autoren wurden die Verheißungen wie die Gefahren Berlins sensibel beobachtet. Döblins Roman ist ein Beispiel dafür, dass die deutsch-j…

Alexandria

(3,135 words)

Author(s): Niehoff, Maren R.
Im nordägyptischen Alexandria bestand vom 3. Jahrhundert v. d. Z. bis zum 1. Jahrhundert d. Z. eine bedeutende jüdische Gemeinde, die ein ausgeprägtes jüdisches Selbstverständnis mit der Integration in die Umgebungskultur vereinte. Jüdische Gelehrte entwickelten die Grundlagen für eine jüdische Religionsphilosophie und säkulare Bibelauslegung. Damit wurde die jüdische Gemeinde in Alexandria zum Vorbild des liberalen Judentums in Deutschland und der Wissenschaft des Judentums. 1. Einführung Alexandria, 332 v. d. Z. von Alexander dem Großen im Nildelta geg…

Algier

(2,217 words)

Author(s): Abitbol, Michel
Verwaltungssitz des ab 1940 unter Kontrolle des Vichy-Regimes stehenden französischen Departements Algier und einer der Schauplätze der »Operation Torch« genannten Landung amerikanischer und britischer Truppen in Nordafrika am 8. November 1942. Die alliierte Invasion wurde in Algier durch die Militäroperation einer lokalen Widerstandsgruppe vorbereitet, die mehrheitlich aus ortsansässigen Juden bestand. Ihre hohe Beteiligung ist als Reaktion auf Maßnahmen der Vichy-Regierung zu verstehen, die di…

Alija

(2,088 words)

Author(s): Alroey, Gur
Alija (Pl. Alijot, hebr.) hat die Grundbedeutung von »Aufstieg«. Der Begriff bezeichnete schon in biblischen Zeiten die Wanderung in das Land Israel, auf seine erhöhte Lage anspielend. Bibelkommentatoren verliehen dem Terminus eine spirituelle Bedeutung, indem sie den Vorgang des Aufsteigens in die Ankunft im Heiligen Land umdeuteten. Die zionistische Bewegung griff die sakrale Konnotation auf, transformierte sie in eine säkulare politische Idee und machte die Alija zu einem zentralen Bestandteil des nationalen Selbstverständnisses. 1. Theologische Bedeutung und ling…

Allgemeine Zeitung des Judentums

(1,508 words)

Author(s): Nagel, Michael
In der Geschichte der deutsch-jüdischen Presse ( Zeitungswesen) nimmt die Allgemeine Zeitung des Judentums (AZJ) eine herausragende Stellung ein. Von 1837 bis 1922 erschien sie in ununterbrochener Folge und war die erste, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch einzige tagesaktuelle politisch-kulturelle Zeitung für jüdische Belange in Deutschland. Ihr Erfolg beruhte vor allem auf den journalistischen Fähigkeiten und dem politisch-organisatorischen Geschick ihres Begründers und langjährigen Herausgebers, des Magdeburger Rabbiners Ludwig Philippson (1811–1889). 1. Die …

Alliance israélite universelle

(4,699 words)

Author(s): Wilke, Carsten L.
»Jüdischer Weltbund«, gegründet 1860 in Paris mit dem Ziel, den in Frankreich begonnenen Emanzipationsprozess der Juden zu globalisieren. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Alliance israélite universelle (AIU) in fast allen Ländern mit jüdischer Bevölkerung vertreten. Der prozentual höchste Mitgliederanteil wurde in Frankreich und Italien erreicht; in absoluten Zahlen stellte Deutschland die weitaus stärkste Mitgliedergruppe. Die Alliance verfolgte die Strategie sowohl rechtlicher als auch kultureller »Verbesserung« ( régénération) benachteiligter Juden in Ost- u…

Altalena

(3,231 words)

Author(s): Kaplan, Eran
Der Name Altalena wird gemeinhin mit einem Schiff assoziiert, das 1948 von der paramilitärischen jüdischen Untergrundorganisation Irgun eingesetzt wurde, um Truppen und Waffen von Europa nach Israel zu bringen. Das Schiff wurde von der israelischen Armee vor Tel Aviv auf Grund geschossen. Benannt war es nach dem Pseudonym von Ze’ev Jabotinsky (1880–1940), Anführer der revisionistischen Bewegung und Gründer der Betar-Jugendorganisation. Jabotinsky war zugleich Schriftsteller und Übersetzer, der …

Alterität

(1,848 words)

Author(s): Moyn, Samuel
Der Begriff der Alterität (frz. altérité, Andersheit) sollte die philosophische Forderung artikulieren, dass jeder Mensch in seiner einzigartigen Besonderheit ethischen Respekt verdient. Auch wenn die Fragestellung schon lange zuvor existiert hatte, war es der französisch-jüdische Philosoph Emmanuel Levinas (1906–1995), der ihr entscheidenden Nachdruck verlieh und zu ihrer Verbreitung beitrug. Ihm zufolge war die abendländische Philosophie zuvor der Versuchung erlegen, »das Andere auf das Selbe« zu r…

Altertumswissenschaft

(2,184 words)

Author(s): Hoffmann, Christhard
Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die neue Konzeption einer Altertumswissenschaft, die sich nicht mehr als Hilfswissenschaft der Theologie, sondern als eigenständige philologische Wissenschaft verstand. Der Forschungsgegenstand war beschränkt auf die »klassische« Kultur von Hellas und Rom, während der Orient und die alte jüdische Zivilisation bewusst aus dem Kanon ausgeschlossen wurden. Ungeachtet dieser thematischen Begrenzung fand der neue methodische Ansatz der Altertumswissenschaft Eingan…

Altneuland

(3,969 words)

Author(s): Beller, Steven
Roman von Theodor Herzl, in dem der führende Vertreter der zionistischen Bewegung seine Vision der zukünftigen »jüdischen Heimstätte« entwirft. Obwohl sein zionistisches Ideal in Altneuland eine ausgereifte Form erhielt, stand das Buch stets im Schatten von Herzls ursprünglichem zionistischem Entwurf Der Judenstaat und wurde als »utopisches« Werk abgetan. Indes bietet es aufschlussreiche Einsichten in Herzls Weltanschauung und ermöglicht eine neue Sicht der Gründerfigur des Zionismus. 1. Einführung Herzl begann 1899 mit der Arbeit an seinem Roman Altneuland, der erstmal…

American Jewish Committee

(3,272 words)

Author(s): Engel, David
Das 1906 in New York gegründete American Jewish Committee (AJC) verschrieb sich dem weltweiten Schutz bürgerlicher und religiöser Rechte von Juden. Vorrangiges Ziel seiner Gründungsmitglieder war es, Strategien gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Juden im östlichen Europa zu entwickeln. Anders als der am Ende des Ersten Weltkriegs entstandene American Jewish Congress, der auch national-kulturelle und zionistische Bestrebungen repräsentierte, hielt die Führung des AJC in der Zwischenkriegszeit an einer strikt bürger- und staatsrechtlichen Programmatik fest. 1. …

American Jewish Congress

(2,864 words)

Author(s): Engel, David
Der American Jewish Congress trat zum ersten Mal im Dezember 1918 in Philadelphia mit dem Ziel zusammen, eine amerikanisch-jüdische Delegation zur Pariser Friedenskonferenz zu entsenden, um dort für den bürgerlichen und politischen Status von Juden in Kontinentaleuropa einzutreten. Unter demselben Namen konstituierte sich 1922 in Philadelphia eine auf Dauer eingerichtete Organisation. Während das American Jewish Committee (AJC) am ersten Kongress teilnahm, hatte es an der A…
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